Benno Besson, © Jean Mayerat, 30.10.2002, Théâtre de Vidy

benno besson

art & mémoire

ÖFFNUNG GEGENÜBER EUROPA, DER WELT, DER GESELLSCHAFT

Ich lernte Benno Besson kennen, als er die Leitung der Comédie de Genève übernahm. Kurz vorher hatte ich meine Leidenschaft für das Inszenieren entdeckt, und konnte mich hier weiterbilden, indem ich bei Bessons Proben hospitierte und als seine Assistentin arbeitete. Von dieser Genfer Zeit bleiben mir Unterlagen und massenweise Notizen, die ich während der Proben gemacht hatte. Zum unveröffentlichten Material gehören auch mehrere Gespräche, die ich mit SchauspielerInnen und anderen KünstlerInnen, die mit ihm arbeiteten, führte, und die ich aufzunehmen begonnen hatte.

Der Dialog mit Besson war dialektischer Natur. Er strahlte, wenn er bei seinem Gegenüber auf Resonanz stieß. „Das ist genau der Punkt“, pflegte er zu sagen, wenn man seine Gedanken erfasst hatte. Im nächsten Moment wurden Gegenargumente angeführt, um die Stichhaltigkeit der These zu prüfen. Dieses „Spiel“ mit ihm bleibt mir unauslöschlich in Erinnerung. Immer ging es bei diesen seltenen, aber außerordentlich intensiven Momenten um unser zentrales Thema : das Theater.

Ein Buch, das der Kunst und der Ästhetik eines großartigen Künstlers des 20. Jahrhunderts gewidmet ist, das ehrgeizige Unterfangen, intensivste Erinnerungen und das Ephemere des Theaters in Worte zu fassen : das ist die Essenz meines Projekts. Natürlich sind dafür Recherchen erforderlich, Begegnungen mit seiner Familie, mit MitarbeiterInnen, und weshalb nicht auch mit Zuschauern, die seinem Theater bewundernd oder kritisch gegenüberstanden. Diese Website des im Juli 2007 gegründeten Vereins Benno Besson, art & mémoire soll außerdem den lebendigen Austausch und die Darlegung verschiedenster Gesichtspunkte – auch hinsichtlich seiner Kunst, die er als konkreten Ausdruck der Wirklichkeit schätzte, – ermöglichen.

Wir möchten Veranstaltungen zu Ehren seines Werks und dessen Ausstrahlung organisieren und interessierten Menschen die Möglichkeit bieten, die Entstehung des Buches mit zu verfolgen. Ich danke ganz herzlich seiner Tochter Marie Besson Franco, dass sie mir zuhörte und mich von Anfang an zu diesem Projekt ermutigte. Ihre Präsenz wird während dieses ganzen wunderbaren Abenteuers wertvoll bleiben.

2005 sah ich Benno Besson zum letzten Mal, er arbeitete mit jungen SchauspielerInnen der Haute École de Théâtre de la Suisse romande. Als ich mich nach der letzten Probe von ihm verabschiedete, fragte er nach dem Projekt, das ich über seine Arbeit plante : „Na, Sima, wie sieht Ihr Angriffsplan aus ?“. Das hier, lieber Benno, ist die erste Etappe dieses Plans ; ich möchte das zum Ausdruck bringen und mit anderen teilen, was ich von Ihrer großen Kunst gesehen, genossen und verstanden habe.

Sima Dakkus
Regisseurin